Nach langem Schweigen melde ich mich mal kurz, um meinen aktuellen Gedankengang mit meiner kleinen, aber hoffentlich trotzdem treuen Leserschaft zu teilen und eventuell auch zu hören, was sie dazu zu sagen hat. In letzter Zeit setze ich mich gedanklich immer häufiger mit diesem Thema auseinander, sei es durch Anregung durch Gespräche oder weil ich mich Selbstanalysen unterziehe.
Der Titel sagt eigentlich schon alles, was mir zu dem Thema einfällt, es ist wahrhaftig eine Kunst, glücklich zu sein.
Glücklich ist an sich schon so ein schwieriger Begriff. Meint "Glück" jetzt einen kurzen Erfolg, der zufällig eintrat und einen positiven Effekt hatte, wie im Sinne von "Glück haben, eine Münze zu finden", oder meint Glück vielmehr einen langfristigen, dauerhaften Zustand der inneren Zufriedenheit, wie wenn man sich etwa wünscht, in Zukunft ein "glückliches Leben" zu führen? Oder bezeichnet Glück einen aktuellen Zustand, der durch einen Umstand oder durch eine Kette derselben ausgelöst wurde und quasi ein kurzfristiger Kick ist?
Schwierig, schwierig. Da haben's die Engländer besser, die kennen nämlich die Wörter für all diese Glücks: Luck, pleasure und happieness.
Es ist enorm schwer, eines der drei Dinge zu erzwingen. Wie auch? Ich kann mich natürlich über eine Münze freuen, die ich mit Glück gefunden habe, wenn ich die Münze am Tag vorher an diese Stelle habe fallen lassen. Ich bin mir außerdem nicht so ganz sicher, ob ich an Schicksal, Zufall oder an einen Gott glaube, der das alles lenkt, sodass die Phrase "Glück gehabt!" sinnlos wird.
Viel interessanter ist das Gefühl des "Glücks" an sich. Ich frage mich, wie sich Glück äußert, beziehungsweise, ob und wie jeder "Glücklichsein" für sich anders definiert. Ist es eher pleasure oder happieness? Fühlt es sich an wie dauerhaft eine Treppenstufe verpasst, so "huppsa!"-mäßig, oder warm, oder kühl, oder kribbelt es? Ich kann das nicht mal für mich selber beantworten, was aber keinesfalls daran liegt, dass ich nicht glücklich bin. Sondern viel mehr daran, dass ich das Gefühl an sich nicht fassen und analysieren kann. Richtig merkwürdig.
Auf langfristiger Ebene glücklich zu sien ist sehr schwer und geht meiner Meinung nach auch nur im Nachhinein. Wie will man jetzt sagen "Ich bin glücklich im längerfristigen Sinn", wenn man nicht weiß, wie man sich in einer Stunde fühlen wird? Aber rückblickend zu sagen, "Ich führe ein glückliches Leben", geht sehr gut, und ich finde, grade hinsichtlich meiner letzten beiden Lebensjahre kann ich das auf jeden Fall sagen. Es ist ja nicht zwingend Pessimismus, wenn man die momentane Zufriedenheit nicht automatisch auf die Zukunft projiziert. Ich würde das eher Vorsicht nennen. Hoffen und erwarten, dass es so gut weitergeht wie bisher, kann man immer.
Und das Glücklichsein nach einem Ereignis? Wie etwa das Glücklichsein nach dem Zurückbekommen einer erfolgreichen Klausur, nach einem sportlichen Erfolg, nach einem großartigen Zusammensein mit Freunden oder nachdem man eine Person umarmt hat, die man liebt? Es ist so schwer, glückliche Ereignisse als solche wahrzunehmen. Oftmals verdecken kleine Sorgen große Glücksmomente. Warum? Weil der Mensch einfach ein Wesen ist, dass denkt und fühlt und Erfahrungen macht und weil es lernt, dass Sorgen und Probleme sich schlimmer anfühlen als Glück, wiegen die schlechten Sachen schwerer. Deswegen weiß man oftmals gar nicht, wie schön etwas war. Oder man merkt erst im Nachhinein, dass diese oder jede Begebenheit eigentlich ein Schwebegefühl und ein Dauergrinsen im Anschluss verdient gehabt hätte. Aber in diesem Moment spukten eben noch andere Gedanken im Kopf herum und wenn man sich dessen bewusst wird, ist es für die spontane Glücksreaktion schon zu spät.
Und das ist schade, denn eigentlich haben so viele Menschen die Fähigkeit einen glücklich zu machen. Wenn ihr diese Zeilen lest, kommen euch doch mit Sicherheit sofort einige Menschen in den Sinn, die, mit dem was sie schönes tun können, in der Lage sind, euch einfach nur glücklich zu machen. Oder euch eine große Freude zu machen, dass kommt dem Glücklichsein auch sehr nahe.
Eigentlich ist Glücklichsein gar nicht so schwer, wir machen es uns nur schwer manchmal. Ich hab einfach mal alles andere außer Acht gelassen heute an meinem freien Tag und hab die Sonne genossen und an die besten Menschen der Welt gedacht und was sie alles getan haben. Und hab es tatsächlich geschafft, einige Momente lang wirklich so glücklich zu sein, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu grinsen und mein Magen mir fast davon flog.