Gestern warst du noch zehn, und schwupps, schon bist du zwanzig und morgen wirst du dreißig sein. (Warum sagt man eigentlich dreißig und nicht dreizig? Heißt doch auch zwanzig, vierzig, sechzig, neunzig... Komisch.)
Es wird Zeit, dass die Uni beginnt. Das tut sie allerdings erst so im Oktober. Bis dahin habe ich Ferien. Ferien sind mir aber ehrlichgesagt schon dermaßen über, schließlich hab ich die seit Ende des Schuljahres, also seit Mitte Mai. Okay, zwischendrin hatte ich Abiprüfungen, aber naja, das waren drei Wochen Stress zwischendrin und dann war Anfang Juni auch schon wieder alles vorbei. Mein Kopf ist so völlig ohne Ansprüche. Mein brillanter Geist wird nicht gefordert. Meine Neugier verkümmert wie ein ungeliebtes Pflänzchen. Mein Intellekt versiegt wie eine Pfütze in der Wüste.
... Das sieht man schon daran, dass ich so einen Schwachsinn verfasse.
Ernsthaft, mir ist langweilig. Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir (abgesehen natürlich von dem obligatorischen "Ich wünsche mir nochmal hundert Wünsche!") wünschen, dass ich wieder Matheunterricht hätte. Klingt nerdig, ist aber so: Der Kopf wurde gefordert, man hat erstmal nichts kapiert, hat ein bisschen nachgedacht, es dann doch verstanden und das Gelernte dann angewandt - und wurde mit Erfolg belohnt. Das ist doch toll gewesen, genau sowas brauche ich jetzt! Und lustig war es im Matheunterricht auch immer. Warum sollte ich es mir also nicht zurückwünschen? Ich fürchte nur, ich könnte meine Mitschüler nicht so gut davon überzeugen, wieder Mathe zu machen...
Deshalb habe ich beschlossen, bestimmte Dinge einfach mal anzupacken. Zum Beispiel muss ich dringend zum Zahnchirurgen. Der soll mir einen Weisheitszahn rausnehmen (nach Möglichkeit, ohne mich dabei verbluten zu lassen). Denn das Gefühl in meinem Mund, dass die Zähne sich irgendwie aneinanderkuscheln und aneinanderschieben wie in einer zu vollen Disco, ist irgendwie etwas beunruhigend. Scheint so, als wäre meinen Zähnen auch ein bisschen langweilig und als würden sie mal was Neues ausprobieren wollen. Vielleicht nutzen sie den Platz aus, wenn er wieder da ist. Und ganz ehrlich - warum hat die Natur uns Weisheitszähne gegeben? Die sind wie Stechmücken: Komplett sinnbefreit.
Weiterhin muss ich meine Haare abschneiden. Also nicht komplett ab, aber mindestens fünf Zentimeter. Sie sind zwar wunderschön lang (sie sind das Einzige, was ich an mir wirklich liebe), aber leider sind sie wirklich kaputt. Ich habe bestimmt doppelt so viele Haarspitzen wie Haarwurzeln, weil sich die Haare alle unten spalten. Wenn ich mich endlich einmal traue und den Schritt wage und meine Haare von Taille bis Brustlänge kürzen lasse, habe ich dann wenigstens wieder eine Ausrede, um mindestens ein Jahr lang gar nicht zum Frisör zu gehen, damit sie wieder so lang werden wie vorher.
Das ist schon eine harte Sache, die Liebe zu den eigenen Haaren...
Ich habe jetzt ja auch einen Job, der mir hoffentlich genug Geld einbringt, damit ich mein Auto versorgen und ernähren kann. Allerdings hab ich ekelhafte Arbeitszeiten: Erstens nur am Wochenende, was heißt, dass ich unter der Woche trotzdem nur Zuhause sitze und die Hubbel auf der Rauhfasertapete zähle, und zweitens entweder die sehr frühen Schichten Sonntags oder die sehr späten Schichten Samstags, was entweder früh aufstehen am Wochenende heißt oder Samstagsabends nicht ordentlich weggehen und was mit Freunden machen können. Dabei ist der Samstagabend doch prädestiniert zum Freundetreffen. Wenn ich wenigstens so viel verdienen würde, dass es sich lohnen würde, keine Freunde zu haben...
Sport ist ja auch nicht schlecht, so prinzipiell. Aber ich bin ein sehr bequemer Mensch, ich bin nicht gerne angestrengt. Ich finde, Sport ist kein Hobby. Sport ist eine Pflicht. Er kann zwar Spaß machen - aber am Meisten macht er Spaß, wenn er vorbei ist. Die Leute, die "Fitnessstudio" in Facebook zu ihren Hobbys schreiben, die haben entweder was an der Birne oder lügen. Mein Taekwondo-Training macht mir ja auch Spaß, aber am Zufriedensten bin ich immer, wenn ich fertig geduscht im Bett liege oder am Abendessenstisch sitze und der Sport vorbei ist. Und weil ich schon so über körperliche Anstrengungen schreibe, liegt es wohl nahe, dass mein Vorhaben, zusätzlich zu zweimal pro Woche Taekwondo noch zweimal die Woche mit einer Freundin ins Fitnessstudio zu wandern, kläglich scheitern wird.
Zumal ich es hasse, viermal pro Woche verschwitzte Klamotten waschen zu müssen.
Ich wäre viel lieber ein disziplinierter als routinierter Mensch. Und ich wäre gerne weniger faul. Ich wäre gerne etwas mehr Realität als "Wie schön wärs, wenn...". Dann würde ich vielleicht sämliche obenbeschriebenen Dinge wirklich tatkräftig umsetzen, anstatt meine Zeit damit zu vergeuden, nur einen Artikel drüber zu schreiben, den eh keiner kommentieren wird.