Ich lasse Leichen auf meinem Weg zurück.
So hat meine Mutter das ausgedrückt.
Momentan fühlt sich nichts für mich so schlimm an wie das Gefühl, Menschen, an denen mir wirklich viel liegt, zu verletzen und zu enttäuschen. Und scheinbar ist das in letzter Zeit mein Sport. oder mein freizeitfüllendes Hobby oder so.
Alles richtig machen zu wollen erfordert ein gewisses Maß an Ehrlichkeit. Aber dann macht man auch schon wieder etwas falsch. Denn wer will schon die Wahrheit hören? Die Wahrheit ist nicht, was man hören will, man will ein "Ja", bekommt aber ein ehrliches "Nein" und ist dann wütend oder traurig oder enttäuscht über eine ehrliche Antwort. Vielleicht auch nur zeitweilig - aber man ist trotzdem wütend und wendet sich infolgedessen vom ehrlichen Antwortgeber ab.
Und die Person, die die ehrliche Antwort gegeben hat? Die fragt sich, warum sie ehrlich war und damit so viele Leichen auf ihrem Weg zurücklässt. Obwohl sie es doch eigentlich richtig machen wollte und alles tun wollte um zu verhindern, dass sich die liebgewonnenen Menschen von ihr abwenden.
Glückwunsch Ehrlichkeit, alle wollen dich haben, aber ansehen will dich trotzdem niemand.
Einzig drei Sachen haben heute dafür gesorgt, dass ich über die Leichen hinweg nach vorne schauen konnte. Das Gefühl eine wirklich gute Mathearbeit geschrieben zu haben (ein Gefühl, dass ich so übrigens zum ersten Mal empfinde), eine gesunde Portion Erinnerung daran, dass nach Regen irgendwann wieder die Sonne scheint und eine E-Mail, die so voller Wärme steckte, dass ich mir nach dem Lesen die Jacke ausziehen und fast ein bisschen heulen musste.