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Lebst du noch, Mazenoire?

Ja. Ja, ich lebe noch. Und ich finde, ich lebe wirklich. Mit allem, was dazugehört.

Ich durchlebe Aufs und ich durchlebe Abs. Ich habe Stress, schlafe aus, arbeite, faulenze, liebe und hasse. Ich bin erfreut und enttäuscht, manchmal wache ich auf und bin allein, manchmal nicht. Ich feiere mit Freunden und ich sitze allein zu Hause und heule. Ich werde verletzt, ich verletze, ich werde beschenkt und ich beschenke, ich spiele, singe, male, lese, höre und lerne, ich strenge mich an, werde belohnt und erfahre Rückschläge.

Aber alles der Reihe nach. Was geht bei dir momentan so, Mazenoire?

Training. Drei mal die Woche. Sonntags drei Stunden lang. Ich war angenervt. Ich habe bessere Leistungen von mir erwartet. Ich war kurz davor, den Spaß an meinem Kampfsport zu verlieren. Doch dann war ich das Pfingstwochenende mit ein paar Leuten aus meinem Verein in München auf einem Trainingslehrgang, mit 9 Taekwondo-Meistern, davon 7 aus Japan und Korea. Drei Tage lang Training von morgens bis abends. Und ich hätte es tatsächlich nicht erwartet: Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe gemerkt, ich mache den Sport wirklich gerne. Das war der Motivationsschub, den ich gebraucht habe, um nicht den Spaß zu verlieren. Ich habe unglaublich tolle koreanische Meister kennengelernt. Mit einem habe ich ein Foto gemacht, woraufhin er mir seine Visitenkarte gab und mich bat, ihm das Foto zuzuschicken. Meister Lim - Sie rocken. Sie sind einfach nur ein beeidruckender Kerl. Ich will koreanisch lernen.

Uni. Ich stehe vor einem riesigen Berg von Arbeit. Durch meinen Fachwechsel und die damit verbundene Auflage, Latein und Griechisch lernen zu müssen, ist eine ganz neue Herausforderung auf mich zugekommen. Ich quäle mich jeden Dienstag und jeden Donnerstag in Latein, ich habe so Angst, den Faden zu verlieren, ich habe so Angst, dass es nicht klappt und ich mein Studium abbrechen muss. Ich muss das durchziehen. Ich kann das nicht nicht schaffen. Aber ich weiß nicht, wie ich es zeitlich überhaupt hinkriegen soll, nächstes Semester Latein UND Altgriechisch gleichzeitig zu belegen. Geht nicht. Keine Ahnung wie. Wenigstens fühle ich mich am neuen Fachbereich so gut aufgehoben, dass ich mich traue, hinzugehen und zu fragen, wie ich das machen soll. Ich bin - trotz aller Flucherei hin und wieder - inzwischen wieder gern Studentin. Und ich finde, das ist schon Zeichen genug dafür, dass der Schritt der richtige war.

Freunde und Familie. Auch hier: Gute und schlechte Tage. Die Geschichte mit dem Katzenfreund, die so gut hätte weitergehen können, hat so schlecht geendet. Meine Schwester, die mal die innigste Person für mich war, entfernt sich immer weiter. Mein Vater, der seine Sachen einfach nicht gebacken bekommt und mich nicht hört. Das sind Dinge, die so wehtun, dass ich erst lernen muss, damit umzugehen. Aber andererseits bin ich nicht allein: Der Gitarristenfreund, den ich wirklich liebgewonnen habe in der letzten Zeit, der jeden Abend mit mir schreibt und mir immer ein passendes Lied empfehlen kann. Meine Mutter und mein Bruder, die mich wissen lassen, dass es nicht umsonst zu Hause heißt, wo man zu Hause ist. Der Lehrerfreund, ohne den ich nicht wüsste, wo ich jetzt wäre, wenn er nicht meine rationale Insel im Meer der Irrationalität wäre. Die Butterblumenfreundin, die Schokokugeln backt, wenn ich traurig bin. Die Künstlerfreundin, die weit weg ist und doch so nah. Und die Soweitentferntcousine, die ihren ganzen Zeitplan umwirft, um mich wenigstens eine Stunde lang in München zu sehen. Wie kann ich auch nur eine Minute davon ausgehen, ich sei alleine?

Es gibt noch so viel zu tun. Ich habe noch so viel vor mir. Ich kämpfe nach wie vor. Ich lebe. Ich lebe die Aufs und ich lebe die Abs.


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