Liebe Universität,
warum bist du eigentlich so kompliziert? Ich hab mich zeitweise ja echt auf dich gefreut und mich zugegebenermaßen ganz schön cool gefühlt, als Studentin durch die Welt zu laufen. Weil ich deine Studenten auch schon immer cool fand, generell Studenten cool fand. Weil die immer der Meinung sind, die Welt verändern zu können.
Aber ehrlich, Universität, so cool sind deine Stundenten auch nicht. Ein paar, bestimmt. Aber da sind schon ganz schön obskure Gestalten dabei. Freaks, Nerds, Hippies, Snobs... Ehrlich, Universität, ich bin ungern so oberflächlich, aber manchen von deinen Leuten leuten weiß ich einfach sofort, dass die Chemie nicht stimmen wird... Ich hab immer gehört, dass man als Student ganz viele neue Leute kennenlernt. Gut, so oft hab ich dich noch nicht besucht, Universität, aber bisher habe ich in Summe mit fünf oder sechs Leuten mehr als einen Satz gewechselt. Die sind zwar nett, aber nichts, wirklich nichts, im vergleich zu meinen wirklichen Freunden, die nicht zu dir kommen, sondern andere Wege eingeschlagen haben... Momentan machst du mir eher Angst, als Freude.
Außerdem bist du schrecklich abkürzungsgeil, Universität! Ehrlich mal: Was erwartest du eigentlich? Ich habe mir eine Liste gemacht: HRZ, WS, SPOL, SWS, AfL, OLAT, SPS, ZPL, HZ, NG, QIS, IDMI, CP, LSF, AStA, GW, LA, BA, IG, JÜ, V, P... Wer soll denn das alles kapieren?!
Die größte Herausforderung war es, den Stundenplan zu machen. Mein Gott, Universität, weißt du eigentlich, was es für ein Stress ist, bis man aus den fachspezifischen Anhängen die Pflichtmodule herausgelesen hat, im Online-Vorlesungsverzeichnis die Professoren gefunden hat, die genau die Modulveranstaltungen anbieten und dann auch noch welche, die auf der richtigen Zeitschiene liegen? Und sich dann auch noch fristgerecht anzumelden, und vorher herauszufinden, wie der Professor gerne eine Anmeldung haben will, ob er gar keine braucht oder eine Onlineanmeldung über Olat oder übers LSF wünscht, er will, dass man sich in eine Liste einträgt oder eine E-Mail bekommen möchte...
Und dann hat man sich einmal glücklich in sein warmes Bett gelegt, in der Annahme, endlich seinen Stundenplan fest zu haben, und wacht am nächsten Tag auf und findet eine E-Mail in seinem Postfach, in der es mit freundlichen Grüßen vom Dozenten heißt, dass man nicht in eines der drei gewünschten Begleitseminare gekommen ist, was zur Folge hat, dass man sich ein neues Begleitseminar suchen und seinen Stundenplan wieder komplett umschmeißen muss... Universität, Studenten brauchen ihren Schlaf... Du hast mich schon die eine oder andere schlaflose Nacht gekostet, und ich bin grade mal zwei Monate eines deiner Kinder... Apropos Schlaf. Verehrte Universität. Meinst du ernsthaft, dass ich dreimal pro Woche um sechs Uhr aufstehen und in eine Mathevorlesung mit anschließender Übung fahren kann und dabei noch motiviert bleiben kann?! Ruf mich an, wenn du herausfindest, wie man das macht, ja, Universität? Meine (Matrikel)Nummer hast du ja. (Ha, ha.)
Und dann, Universität, haben die Dozenten die ungewöhnlichsten Angewohnheiten, die du dir vorstellen kannst! Mal echt jetzt, Universität, hast du jemals versucht, einem deiner Professoren wirklich auf die Finger zu schauen? Manche stellen nach der Vorlesung ihr Script ins Internet, andere stellen es schon vorher rein, sodass man es ausdrucken, mitnehmen und sich darauf Zusatznotizen machen kann, wieder andere geben einem Lektüre, die man begleitend zur Vorlesung lesen muss und nochmal andere lassen ihren Reader in einem Copyshop drucken, wo man ihn sich dann in Form eines Buches mit Harry-Potter-Ausmaß (kostet aber ungefähr das Doppelte) abholen kann. Ach, Universität, wie soll ich dich lieben, wenn es eine so furchtbar verwirrende Liebe ist?
Ehrlich, Universität, du hast alles auf deinen Campi, aber was du nicht hast (oder ich hab sie in dem verwirrenden Labyrinth deiner Gänge und Räume bisher nicht gefunden, wie ich schon so manche andere Dinge nicht gefunden habe...), ist eine Apotheke, die ich dringend gebrauchen könnte, um mir Aspirin oder Dolormin gegen die Kopfschmerzen zu holen, die ich manchmal bekomme, wenn ich über deinen schönen Campus laufe und über deinen hässlichen Campus, wenn ich in einem deiner geschätzten Milliarden überfüllten Hörsäle sitze, wenn ich deine Professoren verwirrt und verwirrend plappern höre, wenn ich mit Aufgaben überschüttet werde und wenn ich meinen grundsätzlichen Welt- und Selbst- und vor allem Zukunftszweifel auspacke. (Haha, was ein Satz, oder, Universität?! Darauf kannst du dich in meinen Essays und Hausarbeiten schon mal gefasst machen!)
Keine Sorge, Universität, ich mache dir keine Vorwürfe, wir zwei, wir müssen uns ja auch noch aneinander gewöhnen. Ich bin sicher, das braucht einige Zeit. Aber... komm mir doch mal etwas entgegen, ja, Universität? Es ist nicht so einfach als kleiner Erstsemester auf dem Weg zu bleiben. Ich weiß, was du jetzt sagst. Dasselbe wie mein Freund, der gesagt hat "Klar ist es nicht leicht. Dafür studierst du ja auch und machst keinen Häkelkurs." Du hast ja auch recht. Aber trotzdem. Versuch auch mal mich zu verstehen. Du machst es einem manchmal etwas schwer. Gib dir ein bisschen Mühe, dass geb ich sie mir auch und vielleicht - wer weiß - werden wir zwei ja mal richtig gute Freunde.
Bis dahin mach's gut, wir sehen uns ja morgen um Viertel vor acht.
Alles Liebe.
Mazenoire