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23. Oktober 2013 3 23 /10 /Oktober /2013 13:26

Liebe/r Leser/in dieses kleinen Blogs - danke. An die drei fünf, die Kommentare im vorigen Artikel hinterlassen haben: Schön, dass ihr noch da seid!

Wie versprochen also hier Teil 1 der Serie "Was schwirrt Mazenoire eigentlich so im Kopf herum?"
Wie sich bereits vor einigen Monaten aus meinem Blog herauslesen ließ, habe ich mir im August einen Traum erfüllt und bin nach San Francisco geflogen. Ganz alleine. Ohne irgendjemanden, der mich begleitet. Ich habe mir alleine meine Hotels rausgesucht, alleine die Unternehmungen geplant (zum Beispiel einen Ausflug in den Yosemite Nationalpark oder ein American Football-Spiel der ansässigen Sportmannschaft SF 49ers), alleine und ohne groß mit anderen darüber zu beraten den Flug gebucht und auch sonst - Reisepass, Einreiseerlaubnis und den ganzen Spaß - einfach organisiert, ohne irgendwen zu fragen, was ich eigentlich machen muss oder wie das denn geht.
Die Devise lautete: Mädel, du bist erwachsen. Beweise dir selber, dass du es kannst. Wenn du ein Problem hast - denk erstmal selber drüber nach, wie sich das vielleicht lösen ließe, ehe du andere um Rat fragst. Wenn du vor etwas Angst hast - was ist das Schlimmste, was passieren kann? Was lässt sich konkret gegen diese Angst unternehmen?
Und Wahnsinn, ich hab es geschafft und es war überhaupt nicht so schwer, wie ich dachte. Ich bin sonst ein sehr abhängiger und kontaktbezognener Mensch. Ich orientiere mich viel an dem, was mein direktes Umfeld mir sagt, stelle starken Bezug her zu meinen engsten Freunden und meiner Familie, mache vieles von ihnen abhängig und kann dementsprechend auch nur schwer ohne diese Menschen auskommen. Und ich finde, dass ich mir selber gezeigt habe, dass sich das ändern muss - und deswegen habe ich mir diesen Flug gebucht, ohne jemanden zu suchen, der mitkommt. Ich bin mir sicher, ich habe mir damit zur richtigen Zeit das richtige Zeichen gesetzt.
Ich kam in Amerika an, war vollständig alleine und überfordert, dachte mir nur: "Mensch. Du bist auf einem verdammt noch mal anderen Kontinent, so weit weg war noch nie jemand aus deiner Familie von den anderen. Du bist allein!" - Und ich bin dann einfach losgegangen, habe mir mein Zeug organisiert, mir einen Shuttlebus gesucht, war das Nötigste einkaufen und gleich nach dem ersten Frühstück am nächsten Tag, das ich ich im Hostel "genießen" durfte, habe ich ihn kennengelernt, den jungen Mann, der mich und meine ganze Welt mmit mir verändert hat. Er kommt aus Singapur, war ebenfalls alleine, saß ebenfalls nach dem Frühstück ratlos in der Lobby und hatte keine Idee, was man so mit seiner Zeit in SF anfängt. Also haben wir uns zusammengetan und uns ging während der kompletten fünf Tage, die wir ununterbrochen miteinander verbrachten, nicht einmal der Gesprächsstoff aus. Wir haben unglaubliche Dinge gesehen und tolle Sachen gemacht, wir haben gelacht, er hat versucht Deutsch zu sprechen und ich Chinesisch, wir waren teuer essen und billig essen und wir haben uns gegenseitig so viel über uns erzählt, dass ich mir sicher bin, er kennt mich besser als manche meiner langjährigeren Freunde, obwohl wir uns genau nur fünf Tage unseres Lebens gesehen haben. Aber, wie er gesagt hat: "Time or duration doesn't matter. Go with your feel on things. It is about how we add to each other, help each other grow and learn that matters."
Und genau das habe ich getan: Ich bin gewachsen in diesen zwei Wochen, in denen ich alleine weit, weit weg war. Denn: Ich war nicht allein. Ich hatte mich, ich habe mich getragen gefühlt von der fernen Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde, und ich hatte in Amerika immer jemanden, mit dem man reden kann. Man ist nirgendwo auf der Welt allein, wenn man allein sein kann. Aber: Das muss man lernen. Man muss sich selber ertragen können, wissen, wie man Zeit mit sich alleine nutzen kann.
Ich habe gelernt, dass ich das kann. Und dass ich nicht abhängig sein muss von anderen Menschen. Ich kann genau so leben, wie ich es möchte. Ich kann die Zeit mit mir alleine nutzen, um nachzudenken, nicht um mich abzulenken. Um aktiv Gefühlen und Gedanken nachzugehen.
Ich habe gelernt, was ein Aspekt ist, im Leben zufrieden zu sein: Sich weiterzuentwickeln, zu lernen, die Augen offen zu halten, sich nicht nach der Vergangenheit zu sehnen, sondern aus ihr zu lernen und dankbar für sie zu sein, ohne zurückzublicken. Ganz einfache Ursachen-Wirkung-Forschung zu betreiben: Was ist es, was mich unzufrieden oder traurig macht? Hat diese oder jene Situation oder Handlung ein Unzufriedensein oder Traurigkeit oder negativen Stress zur Folge? Falls ja: Das, was der Auslöser für schlechte Gefühle sind, wird abgeschafft. Das gilt auch für zwischenmenschliche Problematik. Mein Vater macht mich zum Sündenbock dafür, dass seiner Meinung nach unsere Familie als solche nicht mehr funktioniert? Meine bisherige Reaktion war: Ich bin dann erst recht zu meiner Familie gegangen und habe versucht, es meinem Vater sozusagen recht zu machen. Weil ich meinen Vater lieb habe. Und ich will, dass er zufrieden ist. Aber meine eigentliche Reaktion sollte sein: Wenn mein Vater meint, ich sei Schuld, dass wir keine Familie mehr sind, weil ich ausgezogen bin und abends lange weggehe, anstatt morgens früh beim Frühstück auf der Matte zu stehen, dann ist das seine Sache - wenn mir seine Anschuldigungen Bauchweh machen und mich dazu bringen, NICHT das zu machen, was ich machen will (nämlich morgens in aller Frühe von meinen Freunden im Halbsuff heimzufahren, um um neun Uhr daheim auf der Matte zu stehen), dann sollte ich es einfach lassen. Ich will mir diesen Schuh nicht anziehen müssen. Genau das ist der Punkt: Ich ziehe mir nur Schuhe an, die ich mir selber aussuche oder die die Konsequenz einer meiner Handlungen sind - nicht die Schuhe, die mir andere anziehen wollen.

Natürlich ist das nicht immer einfach. Oft weiß man nicht, wieso man unglücklich ist, oder was dagegen hilft, manchmal merkt man es nicht mal, manchmal kommt man auch nicht da raus und so weiter. Aber es lohnt sich, es zu versuchen. Selbstständig zu sein, mit sich selber im Reinen zu sein, zu lernen, zu wachsen, sich sein Leben so zu gestalten, wie man will. Klingt voll einfach. Ich brauchte einen Mann aus Singapur dazu, das erst so richtig zu erkennen - und eine Reise, um zu merken, dass ich mich verändern will.

 

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Kommentare

Keentom 11/24/2013 21:41

Maze?
Es wäre toll, mal wieder was von dir zu hören. Auf eine etwas persönlichere Weise.

Tom.

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