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25. Oktober 2010 1 25 /10 /Oktober /2010 18:34

Inzwischen wird es extrem kalt. Ich war in den Ferien aus Recherchezwecken für ein Schulprojekt für einige Tage in Berlin, und man warnte mich vor, dass es in einer Großstadt sehr kalt werden kann. Warum ausgerechnet in einer Großstadt, ist mir zwar schleierhaft - der Wind kann doch durch die vielen Häuser nicht durchpusten? - doch die freundlich besorgten Personen, die mir Anorak, Handschuhe und Schal empfahlen, behielten Recht. Schweinekalt war es. Nachdem ich dort tagsüber gleichermaßen wie nachts unglaublich gefroren habe, dachte ich, hier zuhause wäre es vielleicht besser. Aber ich lag falsch, hier ist es genauso kalt und heute morgen musste ich mein Auto freikratzen. HALLO?! Freikratzen?! Wo leben wir denn hier, doch wohl weder in der Antarktis noch im Dezember! Sauerei.

Obwohl ich eigentlich eine ganze Menge besserer Dinge zu tun habe (gleich Chorprobe, ein Telefonat muss getätigt werden, morgen steht eine Klausur an und einige Hausaufgaben liegen neben mir auf dem Schreibtisch), war mir danach zu bloggen. Und ich weiß auch worüber:

"Beschreiben Sie Ihren Arbeitsplatz / Ihre Arbeitskollegen / Ihren Chef."


Wie man meinem Blog des Öfteren sehr gut entnehmen kann, bin ich ja noch Schülerin, insofern kann ich nur über die Schule, über meine Mitschüler und meine Lehrer berichten, nicht über meinen Arbeitsplatz. Da die meisten Leser meine Schule kennen bzw. teilweise sogar meine Mitschüler sind, brauche ich dazu nichts zu sagen. Ich beschreibe nur meine "Chefs". Beziehungsweise, ich erzähle mal, was es so für Typen von "Chefs", also Lehrern, gibt: 

 

1.: Der amtsmüde Schlaftablettentestertyp (häufige Fächer: Geschichte, Erdkunde, Biologie)

Der amtsmüde Schlaftablettentester zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er bzw. sie beim Unterrichten deutliche Nachwirkungen seines Zweitjobs (Schlaftabletten testen) zeigt. Der Frontalunterricht, dem meistens nicht mal er / sie selber folgt, wird in einer gleichbleibend monotonen Stimmlage gehalten. Häufig ist der amtsmüde Schlaftablettentester schon seit der Steinzeit im Lehrerberuf tätig und hat in all den Jahren immer den gleichen Text zum gleichen Thema auswendig aufgesagt. Die Inhalte des Unterrichts vermittelt er etwa so emotional wie Grogor Gysi die Wahlprognosen der FDP. Material stellt der amtsmüde Schlaftablettentester nicht zur Verfügung, vor einer Klausur werden höchstens mal ein paar Kopien ausgeteilt; wer nicht mitschreibt, hat Pech gehabt. Hausaufgaben gibt der amtsmüde Schlaftablettentester nur auf, weil er / sie gehört hat, dass das manche Kollegen auch so machen, aber ob die Aufgaben letztlich bearbeitet werden, ist dem amtsmüden Schlaftablettentester auch egal - er weiß ja meist nicht mal die Namen der Schüler, denen er ein Minus eintragen könnte.

2.: Der verplante Urwaldvernichtertyp (häufige Fächer: Englisch, Deutsch, Geschichte, Gesellschaftswissenschaften)

Der verplante Urwaldvernichter ist der personifizierte Erzfeind aller Greenpeace-Aktivisten: Da der verplante Umweltvernichter meist selber nicht so ganz genau weiß, was eigentlich genau im Lehrplan steht, geht er / sie einfach mal ins Internet, gibt bei Wikipedia das grobe Thema ins Suchfeld ein und druckt diese zwanzig Seiten Artikel dann aus, um sie mit den Arbeitsauftrag "Lesen und Markieren" im Kurs zu verteilen. Das Produktivste, was im Unterricht des verplanten Urwaldvernichters entsteht, sind verträumte Zeichnungen der Schüler auf ihren Blöcken und Blättern und einige Galgenmännchen-Turniere. Zusammenhänge zwischen zwei verschiedenen Unterrichtsstunden sind in den seltensten Fällen zu erkennen, häufig überlegt sich der verplante Urwaldvernichter spontan beim Betreten des Klassenraums, was für Zettel er / sie heute austeilen oder in welches Eiscafé er / sie mit dem Kurs gehen wird. Der Lernaufwand für Klausuren beim verplanten Urwaldvernichter ist daher noch geringer als beim Schlaftablettentester, da der verplante Urwaldvernichter ja selber nicht weiß, was eigentlich drankommen wird. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er / sie die Klausuren irgendwo vergisst, verliert, zerstört, versehentlich einer anderen Klasse austeilt oder unabsichtlich als Schmierpapier benutzt.

3.: Der perfektionistische Alleswissertyp (häufige Fächer: Mathe, alle Naturwissenschaften, Politik)
Der perfektionistische Alleswisser weiß einfach alles und ist extrem perfektionistisch. Bei den Klausuren müssen die in karierten und mit Name, Datum und Fach (in dieser Reihenfolge natürlich) beschrifteten Doppelbögen liegenden linierten Blätter einen 2,5 Zentimeter breiten weißen Rand haben, die Schrift darf nur Arial kursiv 12 Punkt haben und nur mit königsblauer Tinte geschrieben sein, sonst gibt es drei Notenpunkte Abzug. "Dasselbe" und "das Gleiche" sind nicht dasselbe, ein Komma gehört nicht dahin, wo ein Semikolon zu sein hat und Casablanca wurde nicht einfach nur im frühen 20. Jahrhundert von Franzosen bombardiert, sondern am 5. August 1907. Der Unterricht beim perfektionistischen Alleswisser kann durchaus sehr spannend sein, oft sogar gut, allerdings nur, solange man die Hausaufgaben anständig erledigt und die Skizzen mit einem gespitzen Bleistift und mindestens daumengroß gezeichnet sind. Ansonsten wird der perfektionistische Alleswisser nicht so wirklich zum Lieblingslehrer.

4.: Der übermotivierte Jungspund-Typ (häufige Fächer: alle)
Der übermotivierte Jungspund kommt frisch aus dem Referendariat und hat in seinen / ihren wenigen Monaten Lehrererfahrung noch nicht so ganz begriffen, wo der genaue Unterschied zwischen einem Grundkurs und einem Leistungskurs liegt. In gewissenhafter Vorbereitung auf das Abitur haut er / sie in der neunten Klasse den wichtigen Stoff rein, präventiv für ein mögliches spontanes G7 (Abitur in sieben Jahren) lehrt der übermotivierte Jungspund die zarten Schülerpflänzchen alles, was er / sie noch aus der Uni im Kopf herumschwirren hat. Der übermotivierte Jungspund liebt sein / ihr Fach und identifiziert sich völlig mit den verschiedenen Thematiken, die dieses Fach mit sich bringt, und projiziert diese Begeisterung häufig auf die Schüler. Diese wiederum haben vor den Klausuren Lernstress der übleren Sorte und verhauen dann das Abitur, weil sie mit den Abiaufgaben so unterfordert waren. In großer Anstrengung, alles richtig machen zu wollen, verbaut sich der übermotivierte Jungspund hin und wieder und hat Angst, den Schülern Kontra zu geben, um nicht gehasst zu werden, doch in den seltensten Fällen kommt es gegenüber dem übermotivierten Jungspund zu ernsthaften Abneigungen - schließlich ist er / sie ja noch fast so jung wie seine / ihre ältesten Schüler.

5.: Der fröhlich-chillige Kumpeltyp (häufige Fächer: Hauptfächer (Mathe, Deutsch, Englisch))
Der fröhlich-chillige Kumpel ist, was der Name sagt - unabhängig von Alter und Geschlecht eigentlich weniger ein Lehrer, sondern ein Entertainer. Den Unterricht - wenn er denn wirklich gehalten wird - besuchen fast alle Schüler gern, die Stimmung ist gut und gleicht meistens eher einem ausgelassenen Kaffeekränzchen als einer informativen Unterrichtsstunde. Der fröhlich-chillige Kumpel läuft lachend durch die Schule und kann in den großen Pausen gar nicht so richtig Pausenaufsicht machen, weil ihn / sie ständig jemand grüßt und er / sie seinerseits alle grüßt. Häufig ist er / sie Vertrauenslehrer. Der fröhlich-chillige Kumpel drückt gern mal ein Auge zu, liebt seinen / ihren Beruf - eher wegen der Menschen um ihn herum als wegen des Fachs - und lässt dies im Unterricht auch alle spüren. Der fröhlich-chillige Kumpel geizt nicht mit guten mündlichen Benotungen. Oftmals betrifft das zwar hauptsächlich die Schüler, die am lautesten über seine / ihre Witze lachen, aber immerhin finden sich häufig unter den Klausuraufgaben lustige Comics oder Cartoons, die den Leistungsnachweis gleich weniger schlimm erscheinen lassen.

So. Natürlich sind das nur plakative Darstellungen. Leicht übertrieben vielleicht. Aber nur ein kleines bisschen. Und natürlich vermischen sich manchmal ein paar Typen miteinander. Mein Mathelehrer beispielsweise ist eine Mischung von Typ 3 und Typ 4, wie sie im Buch steht. Und mein Biolehrer vereint perfekt die Typen 4 und 5 in sich, auch wenn sie sich in manchen Punkten eigentlich widersprechen.

Na dann... Gute Nacht. :)

[ P.S.: Findet ihr es nerdig, so einen langen Blogeintrag zu schreiben? ]

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Kommentare

Tinuviel 10/30/2010 23:10


nö nicht nerdig, richtig geil eher xD
und du hast sowas von recht! mit allem was du geschrieben hast =)


der schatten 10/26/2010 22:37


:D großartig. wobei ich geglaubt habe, dass du tatsächlich einzelne deiner lehrer selbst beschreibst.. jedenfalls bin ich nur bei zwei auf nen genauen lehrer gekommen...

TYP 2 passt doch hervorragend zu Englisch & TYP 3 zu Politik. Findest du nicht? :D


:D Jedenfalls ein aufheiternder Artikel. :)


mazenoire 10/27/2010 14:15



Freut mich sehr, dass euch der Artikel so gut gefällt.


Du hast Recht, ich habe nicht einzelne Lehrer beschrieben, ich hab es eher allgemein gehalten. Aber es stimmt auf jeden Fall, was mich Englisch zu Typ 2 und Politik zu Typ 3 inspiriert haben...
^^


;)



Tom 10/26/2010 10:58


flowershooter hat Recht.
Sehr, sehr geiler Artikel!
Ich kenne nicht alle Typen, dafür ein paar andere.

Nerdig nicht nur... Zeitintensiv ;) Aber absolut genial!


flowershooter 10/25/2010 23:09


.... also zumindest deinen Schreibstil. Dieser Artikel könnte genauso im UniSpiegel oder UniCum stehen.
Mach was aus deiner Begabung ! your dearest flowershooter.


flowershooter 10/25/2010 23:05


Das ist ein sowas von super genialer Artikel. Ich liebe dich !!!!


Endlager