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17. März 2014 1 17 /03 /März /2014 23:27

Gleich zu Anfang: Ich habe meine Informationen, auf deren Grundlage ich diesen Artikel schreibe, von der Tagesschau-Website und Spiegel online. Mehr nicht. Ich habe weder besonderes Wissen über technische Vorgänge beim Fliegen noch bin ich irgendwie politisch sonderlich bewandert. Ich schreibe einfach nur, was mir - und sicherlich tausenden von Menschen weltweit - bei der Lage der Dinge durch den Kopf geht.

Der Flug der Malaysia Airlines von Kuala Lumpur nach Peking ist vor neun Tagen verschwunden. Verschwunden. Da fängt es schon an.
Wir fliegen Kameraautos auf den Mond und lassen sie da herumfahren, wir leben in einer Zeit, wo der amerikanische Geheimdienst selbst die unwichtigsten Informationen über jeden einzelnen Menschen sammeln könnte, wenn er wollte, wir können Kinofilme in 3D schauen und bemannte U-Boote bis auf 7000 Meter Richtung Meeresgrund schicken. Und trotzdem kann es tatsächlich passieren, dass eine Boeing 777 mit über 200 Passagieren plus Personal an Bord einfach verschwindet. Keine Spur von einem Flugzeug, wir reden nicht von einem Auto, wir reden von einem Flugzeug, einem Verkehrsmittel, was jede Minute seinen Standort an Bodenkontrollen übermittelt. Wie kann sowas passieren?
Statt Tatsachen gab es über die Tage hinweg vor allem eins: Spekulationen über Spekulationen. Ist das Flugzeug explodiert, entführt worden, abgestürzt, von den Piloten absichtlich umgelenkt worden, heimlich gelandet, gab es einen Druckabfall, so dass alle ohnmächtig wurden und es verunglückt ist, ist es eine politische Verschwörung, hält die Regierung von Malaysia Informationen zurück, versuchen die Behörden gar nicht das Flugzeug zu finden, werden die Angehörigen nicht anständig versorgt, haben Aliens das Flugzeug weggebeamt?

Ich frage mich mehrere Dinge, wenn ich mir den Verlauf der Nachrichten, die über dieses Thema veröffentlicht wurden, mal so anschaue:
Zuerst hieß es, das Flugzeug sei abgestürzt - die naheliegendste Theorie, wenn ein Flugzeug vom Radarschirm der Bodenkontrollen verschwindet. Allerdings wurde weder ein Notruf abgesetzt, der auf technische Probleme hinweisen würde, noch waren Wrackteile zu finden, die es bei einem Aufprall eines solchen Fliegers auf die Wasseroberfläche zwingend geben muss. Also wurde das Suchgebiet ausgeweitet, bis es plötzlich hieß: Das Flugzeug ist nicht abgestürzt, es hat weiter über einen flugzeuginternen Sender, das sogenannte ACARS, "Lebenszeichen" an einen Satelliten gefunkt - und es hat seine Richtung geändert und wurde noch über sechs Stunden nach seinem Verschwinden auf einem Militärradar geortet. What the fuck? Wie kann es sein, dass erst TAGE, nachdem die Suche nach Wrackteilen bereits auf Hochtouren läuft, bekannt wird, dass ein anderes Radar den Flieger geortet hat? Wenn ich im Militär wäre und ein kleiner Angestellter, der ab und zu das Radar beobachtet, und ich dann höre, da verschwindet ein bestimmtes Flugzeug plötzlich von den Bildschirmen der Fluglotsen auf dem Boden, komme ich dann nicht auf die Idee, mal auf meinem Bildschirmen nach besagtem Flugzeug zu schauen? Und wenn ich sehe, es fliegt noch schön gemütlich weiter gen Westen, gehe ich dann nicht schleunigst zu dem Chef des Chefs des Chefs meines Chefs und sage das? Und umgekehrt - kam keiner früher auf die Idee, Bodenkontrollen- und Militärradar abzugleichen?
Oder wurde hier schlicht und einfach mit Informationen an die Öffentlichkeit geschlampt? Ernsthaft: Das, was die Angehörigen der Passagiere zurzeit durchleiden müssen, muss unnachfühlbar schrecklich sein. Ich will mir nicht vorstellen, wie viel Angst sie haben, wie traurig sie sind, wie sie nicht wissen, wie es weiter geht - wie sie ÜBERHAUPT NICHTS wissen. Wie fühlt es sich an, wenn du am Flughafen wartest, dass deine Eltern mit dem Flieger kommen, doch der Flug verspätet und verspätet sich, plötzlich heißt es: Der Flieger ist vom Radar verschwunden, vermutlich abgestürzt, deine Eltern wahrscheinlich tot. Dann plötzlich, ein Hoffnungsschimmer, das Flugzeug scheint weitergeflogen zu sein, doch nicht abgestürzt, vielleicht irgendwo notgelandet. Dann wieder Bangen: Warum findet man nichts heraus, wieso hört man nichts? Wurde es doch entführt, ist es irgendwann, als der Treibstoff leergeflogen war, doch am Boden zerschollen? Wo sind deine Eltern? Wieso sagt dir keiner was, wieso finden sie sie nicht, wieso weißt du nicht, was sie genau in dieser Minute unternehmen, um deine Eltern zu finden?
Wie können Menschen nur in Kauf nehmen, dass es anderen Menschen so ergeht, dass sie so etwas durchleiden müssen? Wie kann man ihnen nur Informationen vorenthalten, wie kann man solche Menschen im Stich lassen? Wie kann irgendjemand es verantworten, diese Leute nicht an jedem Schritt teilhaben zu lassen, der unternommen wird, um ihre Geliebten zu finden? Oder will irgendjemand gar nicht, dass das Flugzeug überhaupt gefunden wird? Spielt irgendeine Regierung, irgendein Mensch, irgendeine Organisation ein perverses Spiel mit der Menschheit, mit den Angehörigen? Wie auch immer: Die Kommunikation - sowohl zwischen Medien und Regierung als auch zwischen Zuständigen und Betroffenen - scheint in diesem Fall massiv misslungen zu sein.
Ganz abgesehen davon, dass ich mich frage, wie ein Flugzeug unbemerkt abtauchen kann, frage ich mich noch viel mehr, wie es landen kann, ohne dass die Welt es mitbekommt. Selbst in einem kleinen Flughafen arbeiten Menschen, denen es nicht entgangen sein kann, dass da ein Flugzeug gelandet ist, mit dem etwas nicht stimmt, das außerplanmäßig landete, das die ganze Welt sucht. Und selbst, wenn der ganze Flughafen und sein Personal geschmiert ist und alle dichthalten, dass ein geheimes Flugzeug zu Gast ist - was ist mit den Insassen? Falls sie nicht angegriffen worden sind - was die erzwungene Kursänderung und Landen auf einem fremden Flughafen nicht grade implizieren würde - wieso versuchen sie nicht, irgendwie Kontakt mit der Außenwelt herzustellen? Da ich größte Zweifel daran habe, dass die Passagiere einen Versuch unterlassen würden, ihre Freunde und Familien zu erreichen, frage ich mich: Wieso wird nicht untersucht, ob es Versuche der Kontaktaufnahme gegeben hat - hat irgendein Passagier sein Handy angeschaltet, versucht, einen Angehörigen anzurufen, gab es irgendwelche Versuche, ohne Netzempfang zu telefonieren, wahrscheinlich sogar von auffällig vielen Handys zur selben Zeit am selben Ort? Und wenn es keine Möglichkeit gibt, das herauszufinden, stelle ich wieder meine Eingangsfrage: Wieso ist DAS nicht möglich, wenn doch tausende Informationen über jeden einzelnen gläsernen Menschen gespeichert und verarbeitet werden?

Und noch eine weitere Sache beschäftigt mich seit dem ersten Tag, an dem von terroristischen Aktionen die Rede war, weil zwei Iraner mit gestohlenen Pässen an Bord gegangen sind: Wie ist das überhaupt möglich? Wieso wird, wenn ein Reisender routinemäßig seinen Reisepass aushändigt, auf dem Bildschirm des Sicherheitspersonals nicht ein blinkendes rotes Kästchen angezeigt, mit der Nachricht der Interpol, dass es sich bei dem eben gescannten Pass um ein geklautes Dokument handelt? Wieso nimmt eine Sicherheitskontrolle einen Pass eines Österreichers entgegen und wundert sich nach einem Blick auf das Foto nicht, dass der nahöstlich aussehende Mann, der den Pass auf den Tresen gelegt hat, so gar nicht nach Mitteleuropa aussieht? Wieso wird sich inzwischen in den allermeisten moderneren Ländern die Mühe gemacht, Fingerabdrücke auf Miniminiminimikrochips in Pässen zu speichern, wenn diese dann nicht mal bei der angeblich aufwändigsten Sicherheitsprozedur - am Flughafen - überprüft werden? Und wenn es ein so großer Aufwand wäre, von jedem Reisenden die Fingerabdrücke mit denen auf dem Pass  abzugleichen, frage ich mich erneut meine erste Frage: Wie kann so etwas zu aufwändig sein, wenn doch Roboter auf anderen Planeten winzige Steinchen untersuchen?

Auf einmal hieß es dann: Die Häuser der Piloten wurden durchsucht, eventuell haben sie die Transponder, also die flugzeuginternen Kontaktgeräte zum Bodenpersonal, manuell abgeschaltet. Bei einer Boeing 777 ist das quasi, wenn man weiß, wie man es anstellen muss, wie einen Lichtschalter umzulegen. Die Piloten - oder irgendeine flugzeugkundige Person - hätte also einfach dem Kontaktschnürchen den garaus machen können und munter in irgendeine Richtung weiterfliegen können, wie er oder sie Lust hat. Ich muss auch hier wieder eine Frage stellen, die mir auf der Seele brennt: Warum gibt es für Piloten überhaupt die Möglichkeit, die Transponder abzuschalten? Welches Szenario würde es erfordern, dass der Pilot entscheiden muss, dass die Bodenkontrollen nicht mehr wissen sollen, wo sein Flugzeug sich befindet? Wie kann es soweit kommen, dass ein Pilot, Copilot oder Eindringling ins Cockpit tatsächlich so viele Strippen ziehen kann, dass kein Mensch mehr sagen kann, wo ein Flugzeug hingeflogen ist? Und nochmal, die Frage, um die sich das ganze verrückte Rätselraten dreht: Wie kann es sein, dass bei der ausgefeiltesten Sicherheitstechnik trotzdem noch ein Knopfdruck bewirken kann, dass die Welt ein Flugzeug verliert wie ein kleines Kind einen aufgelesenen Kieselstein?

Die Menschheit ist so unlogisch. Es macht mich hilflos, wenn ich darüber nachdenke, wie sinnbefreit sie manchmal ist. Ich bete und hoffe einfach nur für die Angehörigen der Insassen der Maschine, dass sie bald Antworten auf ihre Fragen bekommen.

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